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VUCA – eine weitere Floskel für den Paradigmenwechsel?

11 April 2016

VUCA – eine weitere Floskel für den Paradigmenwechsel?

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Als Führungskraft stehen Sie vor der Herausforderung, Ihre Mitarbeiter*innen und Ihr Unternehmen sicher durch den technologischen, demografischen und wirtschaftlichen Wandel zu navigieren. Ich hatte bereits im Beitrag über „Agiles Management“ aktuelle Ansätze genannt, in dem ich die vom Harvard Business Manager erstellte Landkarte NEXTLAND vorgestellt habe.

Die Karte könnten wir um einen weiteren Begriff erweitern, der gegenwärtig für Diskussionsstoff und neue Coaching-Seminare sorgt. Die Abkürzung VUCA (deutsch manchmal VUKA) ist eine verdichtete Beschreibung dieser neuen Verhältnisse, aus denen sich Aufgaben für das Management ergeben. Als neue Verhältnisse benennt das VUCA-Konzept vier Dimensionen (zitiert nach Buhl-Coaching & Leadion):

  1. V= Volatility (Volatilität / Unbeständigkeit): Diese bezieht sich auf die zunehmende Häufigkeit, Geschwindigkeit und das Ausmaß von (meist ungeplanten) Veränderungen. Beispiele dafür sind in starken Preisschwankungen an der Börse sowie schnellen Markteintritten und -verlusten zu sehen.
  1. U = Uncertainty (Unsicherheit / auch Disruption): Diese bedeutet das generell abnehmende Maß an Vorhersagbarkeit von Ereignissen in unserem privaten und beruflichen Leben. Gründe dafür sind die Unkenntnis von Variablen sowie deren kausale Beziehungen zueinander. Beispiele sind Märkte, die scheinbar neu entstehen.
  1. K = Complexity (Komplexität von Variablen): Diese bezieht sich auf die steigende Anzahl von unterschiedlichen Verknüpfungen und Abhängigkeiten, welche viele Themen in unserem Leben undurchschaubar machen. Viele, teilweise unbekannte Variablen mit vielfältigen Wirkungen aufeinander. Eine Aktion hat Wirkungen auf sehr viele Variablen. Dadurch lassen sich einige Projekte nicht berechnen und vorplanen.
  1. A = Ambiguity (Ambiguität / Mehrdeutigkeit): Diese beschreibt die Mehrdeutigkeit der Faktenlage, die falsche Interpretationen und Entscheidungen wahrscheinlicher macht. Informationen sind nicht eindeutig interpretierbar. Das Missverständnisse aus der Vielzahl der Rollen, Aufträge und Schnittstellen hat sich erhöht. Interessenkoalitionen werden komplexer.

Matrix

Grundsätzlich geht es dabei jedoch um zwei Fragen, die die vier Aspekte ordnen:

  • Wie viel wissen Sie über eine Situation? (wenig/viel)
  • Wie sehr können Sie die Auswirkungen Ihrer Entscheidungen vorhersagen? (kaum/sehr)

 

https://hbr.org/resources/images/article_assets/hbr/1401/F1401C_A_LG.gif

VUCA-Modell von Nathan Bennett & G. James Lemoine

 

Karriere des Begriffes

Der Begriff kommt aus dem militärischen Kontext. Er wurde bereits nach dem Zusammenbruch der UdSSR Anfang der 1990er am US Army War College entwickelt, um die „neue Welt“ zu beschreiben. Nach den Anschlägen 2001 von New York erlebte die Formulierung „VUCA-Welt“ eine größere Verbreitung. Sie wurde genutzt, um die unsichere Lage des amerikanischen Militärs in Afghanistan zu beschreiben. Seit einigen Jahren verwenden ihn Wissenschaftler*innen und Manager*innen, um die komplexer gewordene Umwelt von Unternehmen zu veranschaulichen.

Wie handeln?

Verbunden mit den vier Aspekten wird jeweils ein Schlagwort, das als Richtschnur für neues unternehmerisches Handeln gelten soll:

  1. Volatilität kann am besten mit einer Vision begegnet werden, etwa durch (neue)
    • Ressourcen, Schwankungspuffer
    • Strategische Partnerschaften
  2. gegen Unsicherheit hilft Verstehen, etwa durch
    • Intuitive und emotionale Intelligenz
    • Empathiefähigkeiten, Netzwerkausbau
  3. gegen Komplexität Klarheit, etwa durch
    • Transparenz der Rollen
    • Kommunikations- und Entscheidungsregeln
  4. gegen Ambiguität Agilität, zum Beispiel durch neue
    • Führungsstile, mehr Eigenverantwortung der Mitarbeiter*innen
    • Agile, schnell reagierende Systeme

Damit sind die Antworten bzw. Handlungsanleitungen darauf eher vage.

Keine Patentrezepte

Darum betont Jim Lemoine, Professor an der Managementschule der Universität von Buffalo, dass es zunächst wichtig ist, die vier Aspekte getrennt zu betrachten und sich darüber zu verständigen, was genau gemeint ist, um anschließend individuell analysieren zu können:

Die größte Schwäche ist für mich, VUCA als einen Fangbegriff für hoffnungslos vorhersagbare Phänomene zu missbrauchen, anstelle eines Sets diagnostischer Linsen, durch die man untersuchen kann, welche der vier VUCA-Dimensionen sich am besten auf einer bestimmte Situation anwenden lässt.

Neue Kompetenzen

Ähnlich auch der Tenor in einem Gespräch unter Ausbilder*innen im Managementbereich vor knapp einem Jahr. VUCA hilft, um Führungskräfte für den Paradigmenwechsel zu sensibilisieren, bietet jedoch keine Patentrezepte oder Check-Listen zum Abhaken. Stattdessen verwiesen die Teilnehmer*innen auf neue Kompetenzen, die Führungskräfte mitbringen müssen.

Manager*innen sollten zum Beispiel empathisch kooperieren können, also sich in die Gefühlswelt ihrer Mitmenschen hineinversetzen können, um auf dieser Basis kooperativ zu handeln. Im Hinblick auf Unsicherheit und Ambiguität müssten sie zudem akzeptieren, dass weniger Prozesse detailliert durchgeplant werden können. Dazu gehört es, Fehler gelassener zu bewerten und sich selbst nicht als unfehlbar zu begreifen.

Oder, wie es Karrierecoach Svenja Hofert in ihrem Blogbeitrag „Den Widerspruch begrüßen“ zuspitzt:

Wir müssen damit umgehen lernen, dass wir nichts wissen.

Die Relevanz des Nichtwissens

Natürlich wissen wir nicht immer nichts. Aber es wird zunehmend ungewisse Situationen geben, in denen Sie Entscheidungen treffen müssen. Im Gegensatz zu Unsicherheit sind bei Ungewissheit Phänomene neu und es liegen noch keine Erfahrungen zur Beziehungen von Ursachen und Wirkungen vor.

Hier kann es weiterhelfen, Dinge im „trial and error“-Verfahren auszuprobieren und fehlerfreundlicher zu werden. Statt von „Faktenwissen“ sollte man das Potenzial von Erfahrungswissen akzeptieren und nutzen.

Was halten Sie von den vier Aspekten der „VUCA-Welt“?
Teilen Sie diese Beschreibung der Welt als kompliziert und unsicher? 
Literatur

Eppler, M. J. ; S. Everett; A. Hieronimi; R. Höflicher; N. Kammerlander & S. Böhm, Qualifizierung für die VUCA-WeltVUCA bildet die neue Wirklichkeit einer zunehmend globalen Welt ab. Ein Fachgespräch von Professoren und Praktikern über die Managementbildung in turbulenten Zeiten, in: Zeitschrift für OrganisationsEntwicklung, 4/2015, S.15-20.

Lemoine, G. James, Angemessen antworten. Ein Gespräch mit Jim Lemoine über den Einfluss von VUCA auf das Führungsverhalten, in: Zeitschrift für OrganisationsEntwicklung, 4/2015, S. 6-9.

 

Blogs

„Den Widerspruch begrüßen“ Karriereblog Svenja Holert

„Leben in der VUKA-Welt“ – Buhl Coaching Blog

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3 Kommentare

  1. Pingback : SHORT CUTS Blog für Wertekommunikation » Reihe NEW WORK: KEINER HAT 4.0 GELERNT!

    1. Marie Ohl

      Liebe Frau Buhl,

      sehr gern. Auch wir sind immer an Austausch interessiert.

      Wir wünschen Ihnen weiterhin anregende Blogbeiträge und Diskussionen mit Gleichgesinnten!

      Herzliche Grüße
      Marie Ohl

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