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Das Dramadreieck

23 November 2016

Selbstverantwortliches Handeln

Die Befreiung aus dem Dramadreieck

Stellen Sie sich folgende Szene vor: Gerade hat die Firma X einen wichtigen Auftrag verloren. Das ärgert den verantwortlichen Abteilungsleiter A. Er wirft seinem Mitarbeiter B vor, sich nicht an Vorgaben zu halten und unzuverlässig zu arbeiten, und sieht darin den Grund für Fehler, mangelhafte Ergebnisse und den Verlust dieses Auftrags. A droht mit Konsequenzen. B versteht nicht, weshalb er so angegangen wird, und weist alle Schuld von sich. Der geplatzte Auftrag sei As eigenes Verschulden, schließlich erteile dieser keine klaren Aufträge, weil für ihn alles selbsterklärend sei. Auch sei der Kunde so kompliziert, dass man nicht verstehe, was er eigentlich wolle. Mitarbeiter C hat die Szene beobachtet und verteidigt B. Vielleicht müsse A klarer kommunizieren. Nun fühlt sich A von C angegriffen… Diese Geschichte ließe sich zwar noch weitererzählen, sie würde jedoch zu keiner Lösung führen, denn alles, was jetzt noch folgt, sind gegenseitige Schuldzuweisungen und eine Zuspitzung des Konfliktes. A, B und C sind im so genannten Dramadreieck gefangen.


Das Modell des Dramadreiecks

Das Dramadreieck ist ein sozialpsychologisches Modell von Stephen Karpman, um die Probleme zwischenmenschlicher Beziehungen zu beschreiben. Es lässt sich auf verschiedene Situationen anwenden: Auseinandersetzungen in einer Paarbeziehung, Differenzen innerhalb einer Fußballmannschaft oder Krisen in der Staatspolitik – oder eben auf Probleme im Arbeitskontext. Das Dramadreieck beschreibt ein Beziehungsgefüge zwischen mindestens zwei Personen oder Personengruppen, die darin die drei Rollen des Täters, des Opfers und des Retters einnehmen. Der Täter ist aktiv. Er handelt zielgerichtet und agiert aus einer Machtposition heraus. Er ist bestimmend, durchsetzungsstark und dominant. Das Opfer hingegen ist passiv, lässt geschehen, meidet die Konfrontation, übernimmt keinerlei Verantwortung für das eigene Handeln und gibt stattdessen anderen die Schuld. Es zieht allerdings aus seiner Rolle eine Legitimation zum Jammern, was ihm Beachtung und eine gewisse Befriedigung verschafft. Der Retter tritt auf den ersten Blick als Held in Erscheinung. Jedoch relativiert sich dieses Bild bei genauerem Hinsehen. Der Helfer stellt sich über das Opfer und macht dieses klein, indem er sich einmischt und für das Opfer Partei ergreift. Der Retter fühlt sich also gut auf Kosten von anderen. Außerdem übernimmt er durch sein Eingreifen die Verantwortung für etwas, für das er nicht verantwortlich ist.


Negative Auswirkungen auf Leistung und Produktivitätzwang

Das Dramadreieck ist ein destruktives System, in dem paradoxerweise jeder aus seiner Rolle Anerkennung, Bestätigung und/oder Aufmerksamkeit zu gewinnen versucht. Das Beziehungsgefüge im Dramadreieck ist zwar stabil, aber ungelöste Konflikte belasten jede Beziehung, sind aufreibend und benötigen viel Energie, die sich anderswo gewinnbringender einsetzen ließe – das gilt besonders für den Arbeitskontext. Doch das Abschieben von Verantwortung und gegenseitige Schuldzuweisungen verbreiten nicht nur schlechte Stimmung, sondern erschweren eine sachliche Kommunikation, verunmöglichen konstruktive Lösungsansätze und wirken sich negativ auf die Leistung der Mitarbeitenden sowie auf die Produktivität des Unternehmens aus.


Der Weg aus dem DramadreieckDer coachende Führungsstil

Der Weg aus dem Dramadreieck führt über selbstverantwortliches Handeln. Die Rollen des Täters, des Opfers und des Helfers sind nicht fest. Menschen können je nach Situation eine andere Rolle einnehmen oder gar innerhalb einer Situation die Rolle wechseln. Aufgrund unserer Erfahrungen und Erlebnisse sowie unserer Persönlichkeitsstruktur tendieren wir jedoch zu einer Rolle stärker als zu anderen. Welche Rolle Sie in Konfliktsituationen einzunehmen neigen, können Sie hier herausfinden. Sich die eigene Rolle bewusst zu machen, ist der erste Schritt der Befreiung aus dem Dramadreieck. Die eigene Rolle zu verlassen, der zweite. Das Ergebnis könnte dann folgendermaßen aussehen: Der Täter stützt sich in seinem Urteil auf beobachtbares Verhalten, kommuniziert offen und vertritt eine klare Haltung. Er ist bestrebt, Hintergründe zu verstehen und konstruktive Lösungsansätze zu finden, statt nur Kritik zu üben und Anschuldigungen zu machen.

Das Opfer tritt aus seiner Passivität heraustreten und handelt selbstverantwortlich, formuliert die eigenen Bedürfnisse und bittet andere um Unterstützung, ohne sich selbst abzuwerten. Und der Retter betrachtet andere als mündige Erwachsene, fragt sie, was sie brauchen, trifft klare Absprachen und gibt Verantwortung zurück. So wird der Täter zum Herausforderer, das Opfer zum Gestalter und der Held zum Coach.

Die Auflösung des DramadreiecksDie eingangs geschilderte Szene verliefe dann so: Gerade hat die Firma X einen wichtigen Auftrag verloren. Im Teammeeting zeigt der verantwortliche Abteilungsleiter A die Konsequenzen für die Firma auf. Er lässt Mitarbeiter B die Zusammenarbeit aus seiner Sicht schildern, fasst daraufhin die Perspektive des verlorenen Kunden zusammen und fordert Vorschläge für konkrete Maßnahmen, damit sich so eine Situation nicht wiederholt. B nimmt seinen Teil der Verantwortung auf sich, spricht aber auch die Schwierigkeiten in der internen und der Kunden-Kommunikation an. Auf Anregung von Mitarbeiter C formuliert B, was er braucht, um in Zukunft die Erwartungen an seine Arbeit erfüllen zu können. Daraufhin nimmt auch A seinen Teil der Verantwortung auf sich und verspricht, in Zukunft klarer zu kommunizieren, erwartet aber von B, dass dieser seine Bedürfnisse auch tatsächlich formuliert und Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit früher thematisiert.

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